Leseprobe ...
Das amerikanische Gesundheitssystem

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Da wir uns beide bester Gesundheit erfreuen, kamen wir durch die Schwangerschaft zum ersten Mal mit dem hiesigen Gesundheitssytem in Berührung. Grundsätzlich ist die Gesundheitsversorgung in den USA mehr als Ware oder Service definiert und organisiert. Die wirklich entstehenden Kosten werden nicht durch ein undurchsichtiges Krankenschein-/Abrechnungssystem verschleiert. Alle Kosten werden dem Versicherten klar und auf den Cent genau dargelegt: Die Versicherung schickt die Kostenübernahmebestätigung nicht nur zum Leistungserbringer, also dem Arzt oder dem Krankenhaus, sondern außerdem eine Kopie an den Patienten. Dieser sieht dann, ob und wenn ja welche Leistungen nicht von der „Kasse" (hier bezeichnet als Health Care Provider) übernommen wurden. Der Umfang der Kostenübernahme und die Regelung der Übernahme bestimmter Kosten an sich ist in einem Vertrag geregelt. Dieser wird meist vom Arbeitgeber mit dem Health Care Provider aushandelt. Dies gilt leider nur für große Unternehmen und Betriebe, wie zum Beispiel eine Universität. Mitarbeiter kleiner Firmen müssen sich oft selbst versichern. Für Gesunde ist dies kein Problem, für Ältere und chronisch Kranke kann es aber schnell zum finanziellen Alptraum werden.

Für uns war zum Glück alles geregelt. Temple University bietet ihren Angestellten eines der besten Versicherungspakete unter den Philadelphia Arbeitgebern (Es beinhaltet neben einer sehr guten Krankversicherung für die gesamte Familie einen Rentenfond, Indvaliditäts- und eine Risikolebensversicherung). Alle Kosten werden bis auf eine festgelegte, geringe Gebühr pro Arztbesuch übernommen. Wir hatten auch eine völlig freie Arztwahl, was bei dem neuen HMO System, welches von vielen Firmen aus Kostengründen für die Angestellten gewählt wird, nur noch bedingt der Fall ist. HMO spart Kosten, indem Leistungen reduziert werden. Grundsätzlich müssen alle Leistungen vor Erbringung von einem telefonisch erreichbaren Vertreter bewilligt werden. Dies bedeutet im Klartext, daß ein Patient erst einen HMO-Vertreter anrufen und seine Beschwerden schildern muß. Dieser gestattet ihm dann - oder auch nicht - den Arztbesuch. Selbst die vom Arzt verordneten Medikamente oder eine Konsultation beim Facharzt müssen auf diesem Wege vorab bewilligt werden. Anderenfalls geht man das Risiko einer hohen Zuzahlung ein, was sich HMO-Patienten nur in den seltensten Fällen leisten können.

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