| Ticket in die Zukunft: Green Card Spätestens seit Gérard Depardieus Film „Green Card" weiß jeder um die Bedeutung dieser Karte, die längst nicht mehr grün sondern rosa ist. Bereits im November 1996 hatten wir uns überlegt, daß das H1-Visum keine langfristige und sichere Grundlage für unseren Amerikaaufenthalt sein kann ... Also beauftragten wir den Anwalt , der bereits die Visa-Angelegenheiten erledigt hatte, mit den Bewerbungsformalitäten für die Green Card. Eine Green Card würde uns einen unbefristeten Aufenthalt mit unbefristeter und genereller Arbeitserlaubnis gestatten. Nur im Falle eines Verweilens außerhalb der Vereinigten Staaten über mehr als 6 Monate innerhalb eines Jahres würde uns dieser Anspruch verloren gehen. Deshalb ist die offizielle Bezeichnung für die Green Card auch „permanent residence" . Die weltweit bekannte Lotterie um die begehrten Green Cards kam für uns - noch dazu da wir uns bereits im Land aufhielten - nicht in Frage. Auf diesem Wege wurden zum Beispiel 1998 um die 55.000 Green Cards „verschenkt". Bedenkt man, wie viele Millionen Menschen weltweit auf diesem Weg ihr Glück versuchen, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering. Außerdem werden die Cards pro Land „rationiert". Spitzenreiter für 1998 war Bangladesch mit 6.075 Green Card Gewinnern . Aufgrund meiner nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten waren unsere Chancen über den geordneten Weg einer offiziellen Bewerbung gar nicht so schlecht. Trotzdem mußte nachgewiesen werden, daß für meine derzeitige Stelle kein Amerikaner mit gleichwertiger Qualifikation gefunden werden konnte. Titus mußte uns die Kopien aller Zeitschriften zur Verfügung stellen, in denen die Stellenausschreibung veröffentlicht worden war. Da dies bereits Monate zurück lag, verbrachte unsere Sekretärin einige Tage in der Bibliothek, um die acht Ausschreibungsveröffentlichungen zu finden! Auch die Interviews der konkurrierenden Bewerber mußten mit eingereicht werden. Von mir wurde neben Lebenslauf und einer Auflistung aller wissenschaftlichen Publikationen die Einbringung von Einschätzungen anderer amerikanischer Professoren über meine Qualifikation verlangt. Weiterer Bestandteil des Bewerbungsprozesses war das erneute Ausschreiben meiner Stelle für den Nachweis, daß sich noch immer kein Amerikaner mit hinreichender Qualifikation finden kann. Ich erwähne hier nicht die Stapel von Formularen, die wir auszufüllen hatten, bis hin zur Aufzeichnung der politischen Einstellung unserer Eltern, der Militärzugehörigkeit unserer Großeltern etc. Ich hätte solche Formalitäten erwartet, wenn wir uns hier als Ausländer in die amerikanische Armee einschreiben wollten; für eine Green Card hielt ich es einigermaßen übertrieben. Nicht zuletzt kostete uns der Anwalt ein kleines Vermögen, denn die Anwaltsgebühren sind in den USA für solche hoch spezialisierten Dienstleistungen sehr hoch.
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