Leseprobe ...
SPALLEK.COM

Anfang 1997 wurde offiziell, mit einem Antrag im Register der Stadt Philadelphia, unsere Firma SPALLEK.COM gegründet. Man könnte behaupten, wir wären relativ egozentrisch in Bezug auf die Auswahl des Namens. Die Wahrheit: Wir hatten einfach keine bessere Idee. Wie schnell hätten wir Rechte bereits geschützter Namen verletzen können, wenn unsere Wahl z.B. auf CyberMed gefallen wäre. So blieben wir bei der Kurzform unserer Internet-Adresse (http://www.spallek.com) hängen. (Große Internet-Unternehmen haben es uns nachgetan, z.B. AMAZON.COM …) Jeder - sogar wir, damals ohne ständigen Wohnsitz (Green Card) - kann in den USA eine Firma gründen. Dies kostet $200 an Gebühren und schließt sogar die Antragstellung für die Beschäftigung von Arbeitskräften mit ein. Alles ist recht unkompliziert. Die Universität hat als Arbeitgeber nichts dagegen. Im Gegenteil, es wird davon ausgegangen, daß ein Transfer von praktischem Wissen in den akademischen Bereich stattfindet. Einige Universitäten fördern oder verlangen sogar das Engagement technisch-orientierter Akademiker in der Industrie (siehe hierzu auch Anhang Rundbrief Nov. 1997).

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Da wir ohnehin bereits zwei Computer hatten und zu Hause arbeiten, konnten wir unser Business ohne Kreditaufnahme starten. Selbstverständlich benötigen wir ständig Software-Updates, eine größere Festplatte, mehr RAM oder einen komplett neuen Rechner. Inzwischen ist jeder unserer drei Rechner in ein zentrales Netzwerk eingebunden. Die letzte Investition waren ein ISDN-Anschluß mit Router, einem separaten Computer, der automatisch bei Bedarf die Verbindung zum Internet herstellt, ohne daß wir uns ständig manuell einwählen müssen. All diese Investitionen können wir aber mit unseren Geschäftseinnahmen finanzieren, so daß sie keine zusätzliche finanzielle Belastung darstellen. (Inzwischen haben wir auch ständige Ausgaben durch den Babysitter, dazu später mehr.) Uns ist bewußt, daß wir mit dieser Situation großes Glück haben. Verglichen mit dem Riesenkredit für eine Praxiseröffnung sind das wirklich Peanuts.

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Gisela genießt es sehr, ihr eigener Boß zu sein. Sie sagt selbst, daß sie viel effektiver arbeiten und ihrer Kreativität bei der Gestaltung von Graphiken, Homepages oder Postern freien Lauf lassen kann. Man mag sich wundern, wie wir als Ärztin/Zahnarzt nach einem 5- bzw. 6jährigen Studium ohne jeglichen Computerkurs überhaupt auf die Idee gekommen sind, unsere ganze Existenz auf ein neues Arbeitsfeld zu begründen, für das wir beide nicht ausgebildet wurden. Die Antwort klingt simpel. Wir sind den technischen Entwicklungen dicht auf den Fersen gefolgt. Schon 1993 hatte ich einen privaten Internet-Zugang und gründete die heute weltweit größte Mailing Liste für Parodontologen. Man erinnere sich: 1993 wurde gerade der erste funktionstüchtige Webbrowser entwickelt. Diese Software ermöglichte die Entstehung des World Wide Web, auf das man sich heutzutage meist bezieht, wenn man allgemein vom Internet spricht. Bereits 1994 haben sowohl Gisela als auch ich die ersten Webseiten selbst „geschrieben". Wir sind sozusagen mit dem Internet gewachsen. Nun sind wir noch immer keine Design-Profis. Aber wir wissen, welche Anforderungen und Erwartungen Mediziner an das neue Medium stellen. Wir können uns sehr gut in die Lage unserer Kunden (Ärzte, medizinische Gesellschaften, Verleger, pharmazeutische Industrie) hineinversetzen und kennen auch die Bedürfnisse ihres Zielpublikums. Dank der kombinierten Erfahrung und Expertise im medizinischen und technischen Bereich können wir tatsächlich bessere Website für Mediziner erstellen als ein anderer Top-Designer. Denn die Zuarbeit des Materials besteht oft in einer dicken Postsendung mit Broschüren. Alle Informationen müssen extrahiert, sinnvoll zugeordnet und kombiniert werden. Auch die Vorstellung unserer Kunden über den Umfang oder das Erscheinungsbild ihrer zukünftigen Internetpräsentation ist oft gleich Null. Da sind dann Giselas Geschick und Kreativität gefragt, um ein überzeugendes Produkt zu erstellen.

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Wir sind nicht ganz ein Zwei-Mann- bzw. Drei-Mann-Unternehmen. Bestimmte abgrenzbare und übersichtliche Aufgaben leiten wir an freie Mitarbeiter weiter. Unserer Firmenentwicklung in den USA kam zugute, daß in der Universitätsstadt Philadelphia mit ihren 7 Universitäten ein reichliches Angebot an studentischen Arbeitskräften besteht. Außerdem profitieren wir als Kleinunternehmer vom niedrigen Lohnniveau. Unseren amerikanischen Hilfskräften zahlen wir $10 - $15 pro Stunde, je nach Job und Qualifikation. Dies könnten wir uns in Deutschland aufgrund der unvermeidlichen Zusatzausgaben gar nicht leisten. Wir hatten uns im Herbst 1997 mit dem Gedanken getragen, einen unserer temporären Mitarbeiter voll zubeschäftigen. Man stelle sich das vor: Bei einem Jahresgehalt von $30.000 für einen Vollzeitangestellten müßte SPALLEK.COM nur $5.000 an Lohnnebenkosten abführen!

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