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Shopping in Amerika

In Deutschland hatten wir erhebliche Probleme, unsere Einkäufe zu erledigen. In der Zeit vor der Liberalisierung des Ladenschlußgesetzes hatten wir so manches Mal einen leeren Kühlschrank und abends nichts zu essen. Wir verließen das Haus morgens vor 7 Uhr und kamen oft erst zwischen 17.30 oder 19.00 nach Hause. Im letzten Jahr lösten wir das Problem mit Hilfe unseres Gewerbes. Es ermöglichte uns, Dinge des täglichen Bedarfs inklusive Lebensmittel im Großhandel einzukaufen, der bereits damals bis 21.00 Uhr geöffnet hatte. Für andere Dinge blieb nur der Samstag, zu meinem Leidwesen, denn ich hasse überfüllte Geschäfte und das Anstehen in langen Schlangen.

Amerika ist für uns in dieser Beziehung ein Paradies. Ich bin mir sicher, daß die Einführung deutscher Ladenöffnungszeiten hier mit einem Generalstreik aller Bürger beantwortet werden würde. Amerikaner lieben ihr „Shopping", sie würden sich nie und nimmer dieses sonntägliche Vergnügen nehmen lassen. Auch wir kauften unsere Möbel - gemeinsam und in aller Ruhe - am Sonntag nachmittag bei IKEA. Wenn wir nach 22 Uhr von einem unserer Abendkurse nach Hause kommen, genießen wir es, schnell noch im leeren Supermarkt Obst und Milch zu holen. Wir erwarten Gäste und die Eier sind ausgegangen? Kein Problem, auch am Wochenende sind die Supermärkte bis 22 Uhr geöffnet.

Die Amerikaner sind verrückt nach Preisnachlässen und Rabatten. Wir bekommen seit der Geburt unserer Tochter fast wöchentlich Postsendungen von Windel- und Babykost-Herstellern mit Werbebroschürchen und Coupons. Die Supermärkte konkurrieren um Kunden und veranstalten alle zwei Wochen „Sales"-Kampagnen. Wer zuviel Zeit hat, kann sich die Mühe machen, auch aus Tageszeitungen Coupons auszuschneiden. Meist sind die Coupons nicht genau auf das Produkt abgestimmt, welches man eigentlich kaufen will, also kauft man das passende, andere. Und da auf dem Coupon steht „Buy one, get one free" bekommt man es auch gleich zweimal …

Typisch sind auch die sogenannten „Malls", Einkaufszentren oder regelrechte Einkaufsstädte, meist vor den Toren der Stadt. Unter einem Dach finden sich in ein oder zwei Stockwerken hunderte von kleinen Läden bis hin zu großen Kaufhäusern wie Macy's oder Bloomingdale's. Noch besser im Preis sind die „factory outlets", in denen die Waren direkt vom Hersteller vertrieben werden. Klever ist man auch, wenn man sich an einem Feiertag auf den Weg macht: Dann gibt es nämlich sehr gute Rabatte. Malls sind ein beliebtes Wochenendausflugsziel der Amerikaner. Einige bezeichnen „Shopping in a mall" als Hobby Nr.1! (Es gibt Busse, die Leute aus New York zu einer unserer supergünstigen Malls, Franklin Mills, fahren. Nach acht Stunden werden die Fahrgäste wieder eingesammelt und samt Einkäufen nach Hause gefahren.) Es gibt hier nicht nur ALLES zu kaufen, man kann sich auch vergnügen. Restaurants und Snackbars erlauben die Ausdehnung eines Einkaufsbummels über den ganzen Tag. Schnäppchen und Einkäufe können in riesigen Einkaufswagen verstaut werden, vorn kann das Kleinkind Platz nehmen, wenn es nach fünf Stunden nicht mehr laufen mag. Noch immer denke ich, daß Einkaufen zweckmäßig verfolgt werden muß und versuche stets, mich davor zu drücken. Wenn es sich dann gar nicht umgehen läßt, möchte ich mich jedenfalls nicht hetzen lassen. Warum sich eine Regierung über Monate mit diesem „Problem" beschäftigen muß, kann in den USA niemand verstehen. Als die Lockerung des Ladenschlußgesetzes in Deutschland anstand, hat sich nicht nur ein Leitartikel darüber belustigt, wie ein Land mit über 10% Arbeitslosigkeit solch nebensächliche Dinge im Parlament diskutieren kann.

Insgesamt werden Umtausch und Beanstandung in den USA wesentlich kulanter geregelt. Wir haben bisher noch nie erlebt, daß eine Ware selbst bei fehlendem Kassenzettel nicht umgetauscht wurde. Selbst Dinge, deren Kauf schon Wochen zurückliegen, kann man ohne Probleme und ohne Verpackung zurückbringen. Es bedarf keiner Angabe von Gründen. Der Kaufbetrag wird umgehend auf die Kreditkarte zurückgebucht.



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