Leseprobe ...
Noch einmal Student sein

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Da wir nur einen Kurs vor der eigentlichen Registrierung im MSBA-Programm absolvieren durften, begannen wir, unsere Bewerbungsunterlagen auszufüllen. Dies war leichter gesagt als getan, denn für die Mehrzahl der verlangten Unterlagen konnten wir kein deutsches Äquivalent erbringen. Zum einen wurden mehrere Empfehlungsschreiben ehemaliger Lehrer eingefordert, die in versiegelten Umschlägen eingereicht werden mußten. Dies war nicht so problematisch, wir baten einige unserer ehemaligen Professoren um eine Beurteilung. Das Problem bestand mehr in der technischen Durchführung: Die Schreiben mußten in - einem möglichst fehlerfreien - Englisch verfaßt werden. Einige Fragen waren recht kompliziert, da die Bildungssysteme nicht so ohne weiteres vergleichbar sind und wir ja schließlich schon ein Hochschulstudium abgeschlossen hatten. Wir dachten uns, daß es am sichersten sei, alle Fragen ins Deutsche zu übersetzen und auch schon einige Antworten auf Englisch vorzubereiten. (Selbstverständlich legten wir ein unausgefülltes Formular bei, um den Professoren eine andere Meinung zu gestatten!). Ich denke aber, daß jeder mit dieser Verfahrensweise zufrieden war und sich nicht allzu lange mit den Papieren herumschlagen mußte. Schwieriger war Punkt 2, das Prüfungsamt der Universität. Hier mußten zunächst unsere Zensuren dem amerikanischen Schema angepaßt und danach in ein kompliziertes Formular übertragen werden. Wieder waren alle Erklärungen auf Englisch, so daß ich einen halben Tag mit der Übersetzung beschäftigt war. Eigentlich hätte man die fehlerfreie Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen schon als Aufnahmetest gelten lassen müssen.

Soviel zur Zuarbeit anderer. Wir selbst mußten neben einem Sprachtest gute College-Kenntnisse nachweisen. Ersterer Test, der TOEFL, sollte nicht das Problem sein. Wir hatten ihn bereits in Deutschland mit leidlichem Erfolg absolviert. Damals erreichten wir auf Anhieb 572 bzw. 590 von 640 möglichen Punkten, worauf wir sogar stolz waren. Für das Programm waren allerdings mindestens 600 Punkte gefordert. Nach sechs Monaten in Amerika sah ich dies nicht mehr als solch ein großes Problem an - und lag wieder knapp daneben. Gisela schaffte die entscheidende Punktzahl, behauptete jedoch, daß unsere beiden Tests verwechselt worden wären. Meine Leistung war besonders schwach im Abschnitt, der den Wortschatz überprüft. Vokabeln waren jedoch eigentlich meine Stärke. Dagegen hatte ich im grammatikalischen Teil sehr gut abgeschnitten, obwohl ich hier Defizite hatte. Egal, ich absolvierte den Test ein drittes Mal und konnte endlich mit 632 ein weiteres Papier unseren Bewerbungsunterlagen beifügen. Dies allerdings nur symbolisch, die Ergebnisse werden direkt vom Testzentrum zur Bildungseinrichtung geschickt.

Das weitaus größere Problem stellte der GRE dar. Hier handelte es sich um einen Test, den amerikanische Studenten nach Abschluß der vierjährigen College-Ausbildung absolvieren. Klar, wir hatten beide vor ca. 14 Jahren vergleichbare Abiturprüfungen mit Auszeichnung abgelegt. Doch dies zählte ebenso wenig wie der Nachweis eines abgeschlossenen Hochschulstudiums oder der Dissertationsarbeit. Zu unserem Glück basiert das gesamte amerikanische Bildungswesen nicht auf fundiertem Wissen, sondern mehr auf Tests. Das heißt, es gibt kaum eigentliche Wissenstests (Geographie, Geschichte etc.), vielmehr werden Mathematik und die Fähigkeit logisch denken zu können, geprüft. Das ließ den Test einfacher erscheinen. Wir entschieden uns für einen nur 90 minütigen Computer-basierenden Test. Der alternativ angebotene Multiple Choice Test mit Bleistift und Papier dauerte vier Stunden. Wir nahmen (zu recht) an, daß aufgrund der Sprachbarriere unsere Aufmerksamkeit durch die höhere Anspannung schneller nachlassen würde.

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Im Sprachbereich ist die Beantwortung solcher Fragen besonders kompliziert. Vor allem, wenn man kaum ein Wort des Textes versteht, auf den sich die Antworten beziehen. Es handelt sich bei diesen Fragen schließlich um Wörter, die dem amerikanischen Hochschulbewerber ein Problem aufgeben. So mußten in einer Sektion vorgegebene Wortpaare auf sinngemäße Übereinstimmung mit anderen Wortpaaren verglichen werden. Zum Beispiel sollte Upbraid:Reproach verglichen werden mit (A) dote:like (B) lag:stray (C) vex:please (D) earn:desire (E) recast:explain . Gisela versuchte erst gar nicht, sich auf diesen Teil des Testes vorzubereiten. Wenn man auch nur eines dieser zwölf Wörter nicht kannte, war man praktisch aus dem Rennen. Ein wenig halfen unsere (medizinischen) Latein- und Griechischkenntnisse. Begriffe wie Metamorphose waren uns selbstverständlich, stellten für die Amerikaner aber ein besonderes Hindernis dar.

Genau genommen bestand unsere Vorbereitung im Kauf einer Software, die den Test simulierte. Wir konnten etliche Tests zu Hause vorab ablegen. Damit konnten wir uns sowohl auf die Zeitlimitierung als auch auf die Art und Weise der Fragestellung recht gut vorbereiten.



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